Erinnerungsvermögen im Alltag

Katharina Graf, M.Sc Studentin der klinischen Psychologie

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Gedächtnisleistung im Alltag

Hast Du Dich schon mal gefragt, warum wir uns Jahre später im Detail an etwas erinnern können, anderes zu Fakten formen und einiges vergessen, als hätte es nie existiert?

Die allgemeinen Informationen, die wir abspeichern und uns merken, erfüllen einen wichtigeren Zweck als detaillierte Erinnerungen an verschiedene Ereignisse. Wir lernen auf adaptive Weise aus unseren Erfahrungen und entwickeln dadurch unsere Verhaltensweisen. Zum Beispiel verbessern wir, wie wir mit Stress umgehen oder unsere Überzeugungen zum Ausdruck bringen. Unsere Erinnerungen formen unsere Perspektiven, Meinungen und Persönlichkeiten (Paller et al., 2020).

Die neurophysiologischen Untersuchungen der Gedächtnisverarbeitung während des Schlafs helfen uns zu verstehen, wie die Erinnerungen, die wir im Wachzustand gebildet haben, in unserem Gehirn erhalten bleiben. Und folglich auch, wie unsere Erinnerungen unser Verhalten und unsere Realität fortwährend prägen.     

Deklaratives Gedächtnis vs. prozedurales Gedächtnis   

Wir unterscheiden zwei Formen des Gedächtnisses bezüglich Erinnerungen. (1) Deklarative Erinnerungen können als Informationen verstanden werden, die wir auf bewusste Weise entweder als allgemeine Fakten oder im Detail abspeichern (Paller et al., 2020). Wir wissen zum Beispiel, dass London die Hauptstadt von England ist und wie unser Schlafzimmer eingerichtet ist. (2) Prozedurale Erinnerungen hingegen können nicht in Worten erklärt werden und werden als unbewusstes Wissenssystem definiert (Nadeau, 2008). Fahrradfahren oder Klavierspielen zum Beispiel hängt nicht von bewusster Anstrengung ab.  

Schlaf in der Nacht und am Tag   

Bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Reaktivierungsvorgänge während des Schlafs für die Stabilisierung und Einordnung der Erinnerungen in das bestehende Wissensnetzwerk verantwortlich sind (Paller et al., 2020). Dabei scheinen die Erinnerungen durch Wiederholungen im Hippocampus gefestigt zu werden. Die Gedächtniskonsolidierung (also der Prozess durch welchen das Erlebte im Schlaf verarbeitet und in das Langzeitgedächtnis überführt wird) ist im Schlafzustand weniger beeinflussbar und daher effektiver als die Konsolidierung im Wachzustand (Paller et al., 2020).  

Schlafmangel hingegen wird mit einer verminderten Lernfähigkeit und einer fehlerhaften Informationsaufnahme in Verbindung gebracht. Dies beruht auf einer verringerten Aktivität des Hippocampus. Zusammengefasst bedeutet dies: Gesunder Schlaf fördert die Gedächtnisstabilisierung, während Schlafmangel sie untergräbt (Werchan et al., 2021).  

Doch nicht nur der nächtliche Schlaf hat einen positiven Effekt auf unsere Gedächtnisleistung. Wir profitieren auch von Nickerchen am Tag. Der allgemein-bekannte REM-Schlaf ist für diesen positiven Effekt jedoch nicht entscheidend. Was tatsächlich einen Unterschied macht, ist die Schlafspindeldichte. Eine höhere Dichte geht mit einer verbesserten prozeduralen Gedächtnisleistung einher (Seeck-Hirschner et al., 2010). Schlafspindeln werden im Thalamus erzeugt und breiten sich auf verschiedene Gehirnareale aus (Manoach et al., 2013). Erhöhte Spindeldichte wird mit Intelligenz, optimierter sensorischer Verarbeitung und besserem Gedächtnis in Verbindung gebracht (Paller et al., 2020). Nach einem Nickerchen und einer hohen Schlafspindeldichte können sich beispielsweise Fähigkeiten wie das Klavierspielen verbessern.  

Grafik zu Schlafphasen nach Rechtschaffen & Kales, 1968, Kalat 2005, Weiten 2994
Catalyatheletics, Understanding Sleep for Optimal Recovery & Productivity

Wie speichern wir Erinnerungen langfristig?   

Der Hippocampus ist für unsere Erinnerungen zuständig und erleichtert deren Übertragung in kortikale Netzwerke. Einige deklarative Erinnerungen können vereinfacht und weniger detailliert dargestellt werden, wenn sie sich vom Hippocampus loslösen. Für uns entwickeln sich diese Erinnerungen zu allgemeinen Fakten. Bei anderen Erinnerungen ist der Hippocampus weiterhin beteiligt und versorgt uns mit spezifischen Details (Gais & Born, 2004).  

Aber warum erinnern wir uns an manche Informationen im Detail und verwandeln andere Erinnerungen in Fakten? 

Im Rahmen früherer Forschungen wurden verschiedene Faktoren ermittelt, die darüber entscheiden, ob eine Erinnerung langfristig gespeichert wird oder nicht. So ist es zum Beispiel wahrscheinlicher, dass wiederkehrende, tief verarbeitete, emotionale, bizarre, lustige oder persönlich wichtige Reize im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Wenn Du Dir Deinen Einkaufszettel merken möchtest, kannst Du also versuchen Dir alle Artikel in lustigen Kleidern vorzustellen und sie (in Gedanken) auf dem Weg zum Supermarkt zu platzieren. Durch diesen strukturierten und bizarren mentalen Weg kannst Du Dir die Liste leichter merken (Foer, 2012). Dies wird in dem Buch "Moonwalking with Einstein" von Joshua Foer ausführlicher und gründlicher erklärt.   

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass eine erhöhte zielgerichtete Aufmerksamkeit auch für die erfolgreiche Informationsaufnahme und Speicherung im Langzeitgedächtnis entscheidend ist. So kann beispielsweise die aufmerksame Beobachtung eines Ereignisses dazu führen, dass dessen Details besser erinnert werden (Sasin & Fougnie, 2021).  

Aufmerksamkeitsdefizite und komplizierte parallel ablaufende Tätigkeiten sind dagegen mit einem schlechteren Gedächtnis verbunden und es ist unwahrscheinlich, dass sie langfristig in Erinnerung bleiben (Sasin & Fougnie, 2021).   

Um sich etwas längerfristig zu merken, sollte man es also wiederholen, es persönlich und emotional verpacken, es auf ungewöhnliche Weise hervorheben, es gründlich verarbeiten, es mit voller Aufmerksamkeit betrachten und schließlich ein kurzes Nickerchen machen.  

Also... damit Du Dich an das gerade Gelernte erinnern kannst... warum machst Du nicht gleich ein Nickerchen?  

Für uns ist eine gute Gedächtnisleistung unerlässlich. Aber es ist genauso menschlich, sich etwas zu merken, wie etwas zu vergessen. Wir müssen sogar Informationen vergessen, um neue Informationen aufnehmen zu können. Leider kann unser Gehirn aber nicht zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen unterscheiden. Daher neigen wir dazu, auch wichtige Dinge zu vergessen, was normal, aber frustrierend ist. Es wäre nicht sinnvoll, alles im Kopf zu speichern. Die Lösung der meisten Menschen ist eine Notiz in ihrem digitalen Gerät zu verfassen. Hierfür ist ein mobiler Notizblock sehr praktisch. Um das Leben einfacher zu machen, haben wir WoppieWrite entwickelt. Dieses Produkt ist Deine mobile Schreibunterlage, die Dich dabei unterstützt, Dir Informationen so detailliert zu merken, wie Du es möchtest. Egal, ob auf Deinem Computer oder auf einem Blatt Papier. Du kannst Deinen persönlich gestalteten WoppieWrite benutzen, wo immer Du bist und wann immer Du ihn brauchst. Neugierig geworden? Probiere es doch einfach mal aus!

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